Manager: Arm und Willenlos?
Entscheidungen sind richtungsgetriebenes Handeln. Daher braucht ein Entscheider eine Vision. Das weiß doch jedes Kind!
Wie sieht das aber bei einem Manager aus, der in einem großen Unternehmen Karriere macht?
Welche Freiheiten hat ein Manager?
Sein Einfluss auf die Mission (was ist mein Auftrag) und die Vision seines Arbeitsgebers ist gering. Wenn ihm die Vision des Unternehmes nicht passt, ist er also zur Sinnlosigkeit verdammt. Denn jede Entscheidung, die er richtigerweise an der Unternehmens-Vision orientiert, könnte ihm gegen den Strich gehen.
Ich bedaure das sagen zu müssen, aber die wenigsten Unternehmen verfügen über eine Vision, die dem Entscheider eine Richtung geben würde. Hier zum Beispiel die Vision von Siemens und hier die Vision von der Siemens Tochterfirma PTD.
Bei einer Vision geht es ja nicht darum, ein Streberdokument zu verfassen, sondern sie soll den Menschen mitnehmen, ihn sowohl vom Verstand als auch emotional begeistern. Dazu muss jeder Mitarbeiter in der Lage sein, die Vision auch in eigenen Worten wiederzugeben. Im Falle der Siemens AG sind die Worte zu schwach und zu wenig konkret im Falle der Firmen-Tochter würde ich eher einen Knoten in der Zunge bekommen, als die mit der Mission vermixte Vision wieder geben zu können.
Die Vision ist viel mehr als ein Ziel
Aber zurück zu unserem Manager. Wenn die Vision seines Unternehmens ihren Namen verdient, sollte er sich damit identifizieren können. Sonst ist er am falschen Platz. Wenn dagegen nur BlaBla im Firmenprospekt steht, hat er weitgehende Freiheiten.
Freiheit für was?
Nun die Vision eines Menschen sollte sich nicht nur auf sein Berufleben beziehen. Dann würde ich sagen: “Setzen Sie sich Einzelziele und fertig!” Nein, eine Vision soll das Bild von unserem Leben in einer mindestens fünf Jahre entfernten Zukunft zeichnen. Besser sind aus meiner Sicht sogar zehn Jahre.
In diesem Bild von der Vision sind die Rollen enthalten, die der Entscheider wahrnimmt, z.B. Manager, Familienoberhaupt, Parteispezi
, usw. Seine Werte sind darin enthalten, natürlich auch das, was er sich materiell erarbeitet hat, seine Stellung im Beruf, sein Verhältnis zu seiner Umwelt, sein Zeitmanagement, seine Fahigkeiten und Qualifikationen, seine Arbeitsfelder. Wenn er Unternehmer ist, wird er natürlich auch sein Unternehmen charakterisieren. Wenn er Manager ist, dann wird er sich mehr Gedanken über seine Stellung machen, wie er mit seinen Mitarbeitern zusammenarbeitet, wie er zum Erfolg seines Arbeitgebers beiträgt, und und und.
Eine echte Führungskraft
Da eine Vision ganzheitlich ist, kann auch der Abteilungsleiter in einem Weltkonzern noch seine Vision leben. Auch er hat somit die Chance, sinnvoll zu entscheiden. Wenn er es richtig anstellt, kann er die Unternehmens-Vision für seine Mitarbeiter so übersetzen, dass sie alle etwas davon haben.
Daran können wir auch erkennen, wie schädlich es ist, wenn umgekehrt eine Führungskraft sich als Opfer seiner Vorgesetzten sieht und dies seine Mitarbeiter fühlen läßt. Wo sollte da die Vision herkommen? Mein Tipp: Manager sind “man ager”, also dem Kindesalter entwachsene Menschen, sonst würde es Kidager heißen! ![]()





April 11th, 2008 at 15:06
[...] Visionen sind geklaut. Aus dem Entscheiderblog von Kai-Jürgen Lietz. Danke! Das gilt alles auch für die [...]
April 22nd, 2008 at 14:01
Ein toller Artikel bzgl. Visionen. Ich persönlich denke, dass nur wenige Unternehmen und auch Personen den Wert erkannt haben, den eine echte, fesselnde Vision haben kann.
Zusätzlich sollte ein Abteilungsleiter nicht nur in der Lage sein eine Unternehmesvision für seine Mitarbeiter zu übersetzen, sondern vielleicht für seine Abteilung eine eigene Vision entwickeln. Diese ist einerseits spezifisch auf die Gruppe ausgerichtet, andererseits unterstützt sie in ihren Auswirkungen natürlich die Gesamtvision des Unternehmens.
Stephen Covey hat in seinem Welt-Bestseller “Die 7 Wege zur Effektivität” gute Erklärungen, Ausführungen und Beispiele zum Thema Visionen.
Herzlichst, Ihr Heiko Schwardtmann
April 22nd, 2008 at 16:11
Ja, Steven Covey ist nett.
Es stellt sich natürlich die Frage, mit welchem Hintergrund die Manager in Unternehmen ihre Entscheidungen treffen, wenn es gar keine Vision gibt?